Graf von Löwenburg

 

Die Geschichte der Burg Löwenburg 

Die Löwenburg wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts von Heinrich II., Graf
von Sayn, der aus dem Westerwald vorgedrungen war, als Grenzfeste gegen die
kurkölnischen Burgen Drachenfels und Wolkenburg errichtet. Urkundlich erwähnt wurde
sie erstmals am 29. August 1247 als Castrum Lewinberg
.

 

Um 1200

Hohes Mittelalter zur Zeit der Staufer. Die Grafen von Sayn waren mächtige Männer in
unserer Region. Seit 1180 stand ihre Burg Blankenberg oberhalb des Siegtals. Im Reich
tobt der Thronkrieg zwischen Otto IV. und Philipp von Schwaben, auch das Rheinland
wird schwer heimgesucht. Eine erbitterte Fehde tobte zwischen den Grafen von Sayn,
Gefolgsleuten Ottos, und Dietrich von Landsberg, einem Anhänger der Staufer. In jenen Jahren entstand die Löwenburg. Erst durch die Ehe zwischen Heinrich III. von Sayn und Mechthild von Landsberg wurde die Fehde beendet.

 

Um 1233  

Graf Heinrich III. von Sayn war ein hochgeachteter Fürst, der mit der Kaiser Otto IV.,
König König Heinrich (VII.) und Kaiser Friedrich II. in Kontakt stand. Und doch wurde er der Ketzerei angeklagt und wäre beinahe auf dem Scheiterhaufen gestorben.

 

1246 / 1247

Der Tod des Grafen in der Silvesternacht 1246/47 war ein tiefer Einschnitt; seine
Nachfolger konnte diese herausragende Stellung nicht halten.

 

1248

In seinem Testament hatte der Graf seiner Frau Mechthild u.a. die Löwenburg als
Witwensitz übertragen. Im August 1248 übertrug sie in einer vorgezogenen Erbaus-einandersetzung in Blankenberg einige Ländereien an Heinrich I. von Sponheim, den Sohn ihrer Schwägerin Adelheid. Urkunden aus dem Jahr 1248 belegen, dass ihm
3/4 der Löwenburg gehörten.

 

1268 / 1269

Spätmittelalter, zur Zeit des Interregnums. Auf Heinrich I. von Sponheim folgte 1269 sein ältester Sohn aus der Ehe mit Agnes von Heinsberg, Dietrich II. von Heinsberg (Herr der Löwenburg 1269-1271), auf ihn sein Bruder Johann I. von Heinsberg (Herr der Löwenburg 1271-1306). Mit ihm beginnt das nächste Kapitel in der Geschichte der
Löwenburg, das der Herren zu Löwenberg. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, vermutlich unter Johann I., entstand die Burg, deren Ruinen wir heute sehen.
Mechthild von Sayn hatte bislang ihr Wohnrecht auf der Löwenburg behalten; um
1268/69 entschied sie sich für eine andere Burg als Witwensitz und gab ihre Rechte an
der Löwenburg vorzeitig ab.

 

1284 / 1285

Zur Jahreswende 1284/85 oder im Juli 1285 verstarb sie. Nun fiel die Löwenburg ganz
an die Familie ihrer Schwägerin.

 

1288

Spätmittelalter, zur Zeit König Rudolfs von Habsburg. Der Machtkampf zwischen den
Erzbischöfen von Köln und den Grafen von Berg eskalierte in der Schlacht von
Worringen im Juni 1288. Die Grafen aus dem Siebengebirge zogen als Lehnsmänner
Erzbischof Siegfrieds von Westerburg mit ihm in die Schlacht - und unterliegen. Johann I. von Löwenberg geriet in die Gefangenschaft des Grafen Gerhard von Jülich und war für eine geraume Zeit unfreiwillig an seine Weisungen gebunden.

 

1301

Spätmittelalter, zur Zeit der Grafenkönige. Bei einer Fehde zwischen dem Kölner
Erzbischof Wigbert von Holte und den Grafen von Jülich und der Mark geriet er
zwischen die Fronten. Truppen des Erzbischofs beraubten und brandschatzten sein
Gebiet; sein Sohn aus erster Ehe, Heinrich, schlug sich auf die Seite des Erzbischofs.
Doch noch im gleichen Jahr versöhnten sich Vater und Sohn wieder. 1306 verstarb
Johann I. und Heinrich wurde als Heinrich I. Herr der Löwenburg (1306-1343).

 

1314

Der Thronstreit 1314 zwischen Ludwig IV. "dem Bayern" und Friedrich "dem Schönen"
von Habsburg spaltete auch die Familie der Löwenberger: Heinrich I., Sohn Johanns I.,
stand auf der Seite des Erzbischofs und damit auf der Seite Friedrichs, sein Stiefbruder Johann II. auf der Seite von Jülich und Heinsberg, und damit auf der Seite Ludwigs. Erst 1325 versöhnten sich die Brüder.

 

1338 / 1339

1338 übertrugen Heinrich I. und seine Ehefrau Agnes von Cuyk u.a. die Löwenburg dem
Grafen Dietrich von Loen und Chiny, Herr von Heinsberg und Blankenberg (1331-1361)
zu Lehen. Dietrichs Vater war Herr von Heinsberg und Blankenberg, seine Mutter hatte
die Grafschaften Loen und Chiny in die Ehe eingebracht. So war Dietrich ein einfluss-reicher Mann in unserer Region, und mit ihm sollte es Jahre später Streit geben. Als 1339 der Hundertjährige Krieg ausbrach, stellte sich Heinsberg auf der Seite, und
auch Heinrich I. zog in den Krieg.

 

1343

Ende Dezember 1343 verstarb Heinrich I. von Löwenberg. Da seine Ehe mit Agnes von
Cuyk kinderlos geblieben war, trat sein Neffe Heinrich II. (Herr der Löwenburg 1343-
1346), Sohn seines Stiefbruders Johann II., das Erbe an. Doch schon wenige Jahre
später, am 19. Juli 1346, fiel Heinrich II. in der Schlacht. Bald darauf starb auch sein
kleiner Sohn, und es gab keine männlichen Löwenberger mehr. Nun kämpften Agnes von Dollendorf aus der Familie der Löwenberger und ihr Neffe Johann vom Stein auf der einen Seite und Dietrich III. von Heinsberg und Blankenberg, Graf zu Loen und Chiny auf der anderen um das Erbe. Kurz darauf erhob auch Dietrichs Neffe Gottfried III. von Heinsberg Ansprüche auf die Löwenburg.

 

1361 bis 1365

Spätmittelalter, zur Zeit der Luxemburger. Als 1361 Dietrich III. ohne legitime Erben
starb, konnte Gottfried III. den Streit für sich entscheiden. Doch Gottfried III. muss
finanziell ständig in der Klemme gewesen sein, denn er verkaufte weite Ländereien, und
1363 verpfändete er Blankenberg an Wilhelm II. von Jülich, Graf von Berg. Damit wuchs
der Einfluss der Grafen von Berg in unserer Region beträchtlich. Der Graf von Berg
setzte 1365 seinen Lehnsmann Johann vom Stein als Amtmann auf der Löwenburg ein.

 

1376 bis 1447

1376/1377 Nach dem Tod seiner Tante Agnes von Dollendorf 1376/1377 erhob Johann
selbst Erbansprüche Gottfried III. gegenüber und konnte sich zunächst durchsetzen.
1395-1438 Doch 1395 besiegte ihn Gottfrieds Sohn Johann II. von Loen, genannt "der
Streitbare". Für eine lange Zeit war er der "Herr zu Löwenberg" (1395-1438). Jene
Jahrzehnte sind von militärischen Auseinandersetzungen geprägt. Johann II. von Loen verwüstete bergisches Gebiet, und zur Rache eroberten die Berger 1400 die Löwen- burg. Erst Jahre später verglich man sich, vorerst. Um die Löwenburg wurde eine
Zwingermauer gebaut.

 

1448 bis 1484

Spätmittelalter, zur Zeit der Habsburger. Nach dem Tod Johanns II. von Loen gab es
wieder Erbstreitigkeiten. Die Löwenburg und das Land Löwenberg wurden zunächst
Philipp II. von Nassau zur Verwaltung zugesprochen. Dabei machte er sich durchaus
verdient, denn die Löwenburg hatte durch die ständigen Kämpfe einiges mitgemacht.
Zudem war sie 1436 verpfändet, aber schon 1438 ausgelöst worden. 1457-1472 Im Dezember 1457 wurden Johann II. von Nassau-Saarbrücken und seine Frau Johanna von Heinsberg neue Herren der Löwenburg. Bei ihrem Tod 1469/1472 hinterließen sie zwei Töchter, Elisabeth und Johanna. 1484 Bald darauf heiratete Herzog Wilhelm von Jülich und Berg (beide Herzogtümer waren seit 1423 vereinigt) die ältere Schwester Elisabeth, zudem schaffte er 1478 eine gütliche Einigung mit Philipp II. von Nassau. Schließlich verkaufte die jüngere Schwester Johanna 1483 alle ihre Erbansprüche auf die Löwenberg an ihren Schwager.

 

1485 bis Mitte 16. Jahrhundert 

Als Folge zahlreicher Besitzerwechsel fiel die Burg 1484 an das Herzugtum Jülich-Berg
und bildete das Amt Löwenburg, welches bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts von der
Burg aus verwaltet wurde. Im 15. und 16. Jahrhundert war die Burg kaum noch befes- tigt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie zerstört und dann aufgegeben.

 

Mitte 16. Jahrhundert bis 1947

Die Kriegszüge vom Ende des 16. Jahrhunderts, unter denen das Amt Löwenburg
besonders litt, ließen sie zur Ruine werden. Von da an ist die langgestreckte Höhen-

burganlage des 13. Jahrhunderts mit Hochburg, Zwinger und Vorburg immer stärker verfallen. Erhalten sind die Zisterne im Burghof und zwei Seitenmauern des ehemaligen Bergfrieds der Hochburg mit den Grundmaßen zehn mal zehn Meter. Der Bergfried selbst wurde teilweise 1832 – und 1881 ganz – wegen Baufälligkeit abgetragen, nachdem zuvor eine Initiative zur Erhaltung und Sanierung der Ruine gescheitert war.
1861 übernahm ein Vorläufer des heutigen Staatlichen Forstamtes Siegburg, die
Königlich Preußische Oberförsterei Siebengebirge, die Verwaltung des Ruinenstückes.
Im Jahr 1862 wurden einzelne Wiederherstellungsarbeiten ausgeführt und in den Jahren 1897–1901 war dann eine Sicherung des größten Teiles des Vorhandenen zur
Durchführung gekommen. Im Juli 1906 entstand am höchsten Punkt der Burg ein
Aussichtsturm. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges errichtete man 1939 auf der oberen
Burg für die Flugabwehr einen Beobachtungsstand. Bei den Kampfhandlungen zur
Rheinüberquerung der amerikanischen Truppen geriet die Löwenburg unter schweren Beschuss, dem vermutlich auch der 1906 errichtete Aussichtsturm nicht standhielt.

 

Seit 1948

Mit Auflösung des Staates Preußen wurde die Löwenburg 1947 forstfiskalischer Besitz
des Landes Nordrhein-Westfalen. 1951 präsentierte sich die Burgruine weitgehend
verfallen und überwuchert, der Aufstieg zum Gipfel über die meisten Fußwege als stark
erschwert. Um den stark verringerten touristischen Wert der Löwenburg wieder zu
erhöhen, plante der Verschönerungsverein für das Siebengebirge 1951, die Straße von
der Schmelztalstraße über das Einsiedeltal zur Burgruine für den  Kraftfahrzeug-verkehr freizugeben. Heute besteht ein Fahrweg von der Margaretenhöhe her.Von 1979 bis 1985 nahm die Landesforstverwaltung unter Mitwirkung des Staatshochbauamtes Bonn umfangreiche Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten vor. Dabei wurden die noch
vorhandenen Grundmauern der Burganlage freigelegt und gesichert. Mehrere Tafeln
zeigen das ursprüngliche Aussehen der Burg. Das Rheinische Landesmuseum
begleitete die Ausgrabungen.

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